Lydia Mittermayr

Architektin und Autorin
Programmpunkt: Lesung „Baden. Über die Auswirkung der Seenähe auf Boden und Bewohner*innen“

Liebe Frau Mittermayr, wenn Sie eine Abkühlung suchen: Welcher Ort am Wasser, Badesee oder Badeplatz ist in Österreich Ihre erste Wahl? Was macht diesen Ort für Sie persönlich besonders?

„Als am Attersee Aufgewachsene und Jahre später – vermutlich hauptsächlich wegen des Sees – Zurückgekehrte kann ich nur den Attersee wählen. Dabei sind es nicht nur seine Farbe, das Panorama und die Abstufungen der Grün- und Blautöne entlang der Berg- und Hügelketten, die ihn nicht nur für Lokalpatriot*innen zum schönsten See des Landes machen. Es ist auch die Fülle an großen, kleinen, offenen und versteckten Badeplätzen – und ein Ausblick, der von jedem Ort aus anders ist.“

Wasser und insbesondere Seen spielen auch in Ihrem Arbeitsalltag eine zentrale Rolle. Können Sie uns einen kurzen Einblick geben, wie dieser Bezug konkret aussieht?

„Als Architektin beschäftige ich mich mit der traditionellen Baukultur des Umlands und deren Nutzungsmöglichkeiten, indem ich private Umbau- und Sanierungsprojekte im ländlichen Raum betreue. Als Autorin beschäftigt mich die Frage, wie sich eine Landschaft in Körper und Geist der Menschen einschreiben kann – und wie ein See als Sehnsuchtsort zur treibenden Kraft seiner Umgebung wird.“

Welche brennenden Fragen und Themen bringen Sie zur Österreichischen Seenkonferenz 2026 mit? Welche werden Sie in Ihrem Beitrag behandeln und worüber möchten Sie mit den anderen Teilnehmer:innen ins Gespräch kommen?

„Was bedeutet ein Recht auf See? Wer besitzt ein solches – diejenigen mit Seegrundbesitz, mit Campervan, mit ersessenem Kabinenrecht im Strandbad oder jene, die in der Nähe eines Autobahnzubringers wohnen? Wer übt dieses Recht aus – die Bundesforste als Verwaltungsorgan, politische Vertreter*innen, befugte Planer*innen oder geschäftstüchtige Unternehmer*innen? Und was bedeutet es für die Zurückbleibenden, wenn am Ende der Sommerfrische der See und sein Umland in die lange Winterstarre fallen?“

Kurzbiografie:

Lydia Mittermayr: ist Architektin und Autorin. Sie studierte Architektur an der TU Wien und Creative Writing in Hildesheim und arbeitete unter anderem als Projektleiterin bei ADP Architekten am Zürichsee. Nach ihrer Rückkehr an den Attersee gründete sie 2024 ein Ziviltechnikerbüro für die nachhaltige (Weiter-)Entwicklung ländlicher Bauten, unterrichtet Bautechnik an der HTL Salzburg und veröffentlicht Kurzgeschichten und Essays. Zuletzt erschien bluten. 15 Stories (2025).

(c) Lydia Mittermayr

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