Sehnsuchtsort Attersee – es gibt kaum begehrtere Orte in Österreich als die Ufer unserer Seen. Doch wie können Menschen den öffentlichen See tatsächlich erleben? Am Nordufer des Attersees entstand 2017 ein „Masterplan 2020“ der seither stetig und konsequent umgesetzt wird. Eine Projektvorstellung von Christoph Hauser.
Es gibt kaum begehrtere Orte in Österreich als die Ufer unserer Seen. Die Flächenkonkurrenz zwischen öffentlicher Zugänglichkeit und privater Nutzung, zwischen kommodifizierten Flächen und konsumfreien Zonen, aber auch zwischen Flächen für Erholungsnutzung und Flächen für den Naturschutz ist sehr groß. Um die Freiräume in den beiden am Nordufer des Attersees gelegenen Gemeinden Seewalchen und Schörfling für Einheimische und Gäste besser zu verbinden, funktional zu verbessern und gestalterisch aufzuwerten, haben die beiden Gemeinden im Jahr 2017 den „Masterplan 2020“ in Auftrag gegeben, den das Büro raum-planA erarbeitet hat. Insgesamt werden darin 23 Einzelprojekte vorgestellt, erläutert und mit Kostenangaben versehen. Anlass für den Masterplan war die für das Jahr 2020 geplante Oberösterreichische Landesausstellung zum Thema „Pfahlbauten“. Kurz vor der Fertigstellung des Masterplans sagte das Land Oberösterreich die Landesausstellung zwar ab. Die Bürgermeister der beiden Gemeinden, Johann Reiter in Seewalchen und Gerhard Gründl in Schörfling, beschlossen jedoch, die Maßnahmen des Masterplans Schritt für Schritt umzusetzen – nun mit etwas weniger Zeitdruck.
Bereits Ende 2017 wurde das Ingenieurbüro für Landschaftsplanung raum-planA mit der Umgestaltung des „Kinderbads“, einem Mini-Badeplatz am westlichen Ende der Seepromenade in Seewalchen, beauftragt. Die Promenade endete dort an einem großen asphaltierten Platz vor der Villa Paulik, der jedoch kaum als gestalterischer Abschluss wirkte. Rund 40 Meter weiter südlich bietet sich am Ende des Stegs ein überwältigendes Panorama auf den Attersee. Ziel der Neugestaltung des nunmehr als Emilie-Flöge-Platz bezeichneten Bereichs war es, die vorhandenen Flächen so umzugestalten, dass Spaziergänger und Besucher hier nochmals auf den See hinausgeführt werden und die Promenade einen klar gestalteten Abschluss mit hervorragendem Seeblick erhält. Zugleich sollten die Flächen für Einheimische, Familien mit Kindern und ältere Menschen ganzjährig besser nutzbar gemacht werden.
In der Gemeinde Schörfling wurde im Jahr 2021 die Seepromenade umgestaltet. Diese besteht aus zwei Teilen: dem Schlosspark im Norden und dem Marinapark im Süden. Die Umgestaltung umfasste insgesamt rund 22.300 m². Das Wegenetz wurde so verändert, dass von der Agerbrücke bis zur Schiffsanlegestelle Kammer eine durchgehende, attraktive Seepromenade entstanden ist. Die Aufenthaltsqualität der Grünflächen wurde gesteigert und ein kleiner Uferbereich renaturiert (Planung: Büro blattfisch e.U., Wels). Außerdem wurde der Kinderspielplatz aufgewertet und die Wege wurden teilweise auch für den Radverkehr nutzbar gemacht. Durch den Austausch der alten Parkbänke, der Beleuchtungskörper und der Abfalleimer sowie durch die Ergänzung bzw. den Austausch des Baumbestandes hat der Park wieder eine Gestaltung erhalten, die seiner Bedeutung als Erholungsraum am Attersee gerecht wird. Der bereits im Jahr 2019 angelegte Klimtgarten wurde in die Umgestaltung des Parks integriert.
Schließlich erarbeitete das Büro raum-planA im letzten Jahr ein Gestaltungskonzept für eine öffentliche Erholungsfläche auf dem Areal des ehemaligen Bahnhofes Kammer (ca. 15.450 m²) und erstellte die naturschutz- und wasserrechtliche Einreichplanung für die dort vorgesehenen Renaturierungsbereiche. Die Umsetzung dieses Projektes ist für 2027 vorgesehen.
Mit solchen Gestaltungsmaßnahmen entstehen für die vielen Menschen, die den Attersee als Sehnsuchtsort schätzen, zusätzliche Möglichkeiten, den See aufzusuchen, dort zu verweilen und die Landschaft zu genießen. Über die Aufwertung einzelner Orte hinaus leisten diese Projekte einen wichtigen Beitrag dazu, die Uferlandschaft öffentlich zugänglich und erlebbar zu halten. Gerade angesichts des hohen Nutzungsdrucks auf die Seeufer zeigt sich, wie wichtig es ist, die unterschiedlichen Ansprüche von Erholungsnutzung, öffentlicher Zugänglichkeit und Naturschutz miteinander in Einklang zu bringen.

Titelbild: Emilie-Flöge-Platz, Seewalchen: Panorama vom Steg mit kleiner Plattform
© raum-planA
raum-planA
Ingenieurbüro für Landschaftsplanung
DI Dr. Christoph Hauser
Telefunkenstraße 2, 4840 Vöcklabruck
hauser@raum-plana.at
www.raum-plana.at/



